Linksjugend RLP verleiht Goldene Colt

23 Okt

Die Linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz hat dem Göttenbach-Gymnasium in Idar-Oberstein die Goldene Colt übergeben. Hier finden sich die Pressemitteilung und der Brief an die Schule, gerne auch zum Weiterverwenden und Nachmachen 😉

Pressemitteilung

Mit einem Brief und einer Goldenen Colt sorgte die Linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz für Aufmerksamkeit am Göttenbach-Gymnasium in Idar-Oberstein: Mit der “Trophäe” zeichnet sie die Schule für ihre “vorbildliche” Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und deren Jugendoffizieren in Rheinland-Pfalz aus. Das Göttenbach-Gymnasium ist die rheinland-pfälzische Schule mit den meisten Militär-Besuchen und einer auch darüber hinaus regen Kooperation mit der Bundeswehr.

Hierzu erklärt Julia Range von der Linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz: „Die Bundeswehr nutzt verstärkt die Möglichkeit, an Schulen für ihr Image und eine „Karriere“ zu werben. Sie führt ganze Unterrichtsstunden bis Projektwochen und Ausflüge mit den jungen Menschen durch, um ihre Ziele zu erreichen und SchülerInnen für eine Karriere bei der Bundeswehr zu begeistern. Mit der Goldenen Colt wollen wir der Schulleitung zeigen, dass wir die Methoden der Bundeswehr für äußerst kritisch halten und die Schule dazu auffordern, der Bundeswehr ein Hausverbot auszusprechen. Denn das ist durchaus möglich, wie einige erste Schulen zeigen, die sich zur “bundeswehrfreien Zone” erklärt haben.“

Die Linksjugend Rheinland-Pfalz lehnt die Werbung durch Jugendoffiziere an Bildungseinrichtungen entschieden ab: „Die Bundeswehr hat nichts an Schulen zu suchen. Sie betreibt weder objektive politische Bildung, noch bietet sie „sichere“ Jobs an. Sie nutzt die miserablen Zukunftsaussichten der jungen Generation aus. Damit muss Schluss sein. Unsere Schulen sind dafür da, jungen Menschen Wissen, kritisches Denken, Fertigkeiten und Kompetenzen zu vermitteln, sie sind nicht der Exerzierplatz und das Werbebanner der Bundeswehr, um ihre militärische Doktrin zu vermitteln. Wir brauchen echte Perspektiven, statt der bloßen Aussicht, beim Militär verheizt zu werden“, so Range weiter.

Deshalb engagiert sich der Jugendverband seit 2011 mit kreativen Aktionen bundesweit für die Rücknahme der Kooperationsvereinbarungen zwischen Landesministerien und Bundeswehr und setzt sich für ein generelles Werbeverbot der Bundeswehr an Bildungseinrichtungen und -messen ein. Die Linksjugend steht zudem für die Einführung der Ausbildungsplatzumlage sowie für die Abschaffung aller Bildungsgebühren.

Zum „Glückwunschschreiben“ hier lang:

Liebe Schulleitung,

hiermit überreichen wir Ihnen und Ihrer Schule die Goldene Colt für eine hervorragende Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Herzlichen Glückwunsch!

Die Bundeswehr engagiert sich seit einigen Jahren verstärkt in Bildungseinrichtungen und auf Bildungsmessen. Dort informiert sie über ihre Karrieremöglichkeiten. Außerdem berichtet sie über ihre Aktivitäten in Deutschland und der ganzen Welt, bietet Vorträge, Ausflüge, Planspiele und vieles Weitere an. Erleichtert wurde der Zugang der Jugendoffiziere an die Schulen durch Kooperationsabkommen zwischen den Landesregierungen – auch in Rheinland-Pfalz – und der Bundeswehr.

Doch was für eine “politische Bildung” ist es, die die Bundeswehr Ihrer und anderen Schulen anbietet? Wir sind der Meinung, dass die Kooperation mit der Bundeswehr gegen den Beutelsbacher Konsens verstößt, in dem 1976 Leitlinien für die politische Bildung an Schulen festgelegt wurden: Schülerinnen und Schüler dürfen im eigentlich geschützten Rahmen des Klassenzimmers und der Schule nicht einseitige informiert werden. Sie sollen sich ihre eigene Meinung frei bilden können. Ist dieser Grundsatz gewährleistet, wenn Jugendoffiziere – oftmals ohne Begleitung einer Lehrkraft und ohne Einladung einer Person aus der Friedensbewegung – ganze Schulstunden gestalten können? Auch das Kontroversitätsgebot verlangt, dass in der öffentlichen Debatte stark diskutierte Themen auch im Unterricht offen besprochen werden. Kann ein Jugendoffizier dies wirklich leisten oder bietet er nicht vielmehr einseitige, beschönigte Informationen über Auslandseinsätze und die anderen Aktivitäten der Bundeswehr?

Können und wollen Sie wirklich verantworten, dass Ihre SchülerInnen nach der Mittleren Reife oder dem Abitur zur Bundeswehr gehen und dort “Karriere” machen? Dass sie dort den Dienst an der Waffe antreten, in kriegerische Handlungen eingebunden sein können, ihr Leben verlieren können oder sogar selbst dazu beitragen müssen, ein Leben zu beenden? Dass das Militär nun immer umfassender auch das Bildungssystem und andere gesellschaftliche Bereiche beeinflusst, indem sie die Kooperation mit den Jugendoffizieren zulassen und offenbar unterstützen, tragen Sie persönlich auch Verantwortung.

Wir sehen diese Entwicklungen und speziell die an Ihrer Schule, die besonders gut mit der Bundeswehr zusammenzuarbeiten scheint, sehr kritisch. Wir wünschen uns echte Perspektiven für junge Menschen! Die Bundeswehr ist für uns keine Karrieremöglichkeit mit Zukunft und deshalb sollte sie auch keine Bühne in Schulen bekommen. Wir möchten nicht, dass Jugendliche beim Bund verheizt werden und setzen uns deswegen für die Aufkündigung der Kooperationsvereinbarungen und für ein Werbeverbot des Militärs an Schulen ein.

Wussten Sie eigentlich, dass die Besuche der Jugendoffiziere an Schulen keine Pflicht sind? Einige Schulen in der Bundesrepublik, darunter auch zwei im Nachbarland Hessen, haben sich per Beschluss zur “Bundeswehrfreien Schule” erklärt. Wir möchten Sie auffordern, auch diesen Schritt zu gehen. Bei der Umsetzung können wir Sie, sofern gewünscht, gerne unterstützen und mit Informationen ausstatten sowie Kontakte zu anderen Schulen herstellen.

Mit freundlichen, antimilitaristischen Grüßen
der LandessprecherInnenrat der linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz

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