Hintergrundtext „Bundeswehr – Karriere mit Zukunft“?

28 Sep

Schulen sind nicht das einzige Kampffeld der Bundeswehr. Denn so erfolgreich ist sie hier zum Glück nicht, dass sie ihren Bedarf an Nachwuchs decken kann. Schließlich muss ausreichend Kanonenfutter rekrutiert werden – und die Perspektive auf den Tod bei einem Auslandseinsatz macht die Bundeswehr als Arbeitgeberin auch nicht gerade attraktiver.

Werbeoffensive 2011

Also hat die Bundeswehr 2011 nochmal ordentlich ihren Etat aufgestockt und geht in die Werbeoffensive. Erstens macht sie eine „Medienkampagne zur Nachwuchsgewinnung“ in Kooperation mit verschiedenen Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern. Finanziell lässt sie sich dabei nicht lumpen. Alleine für »personalwerbliche Anzeigen« werden 2011 5,7 Millionen Euro ausgegeben – zum Vergleich 2009 waren es noch unter vier Millionen. Die mobilen Reklametruppen der Bundeswehr, die bei Messen, Ausstellungen und auf öffentlichen Plätzen für ihren „Arbeitgeber“ werben, kosten weit über zwei Millionen Euro. Die Bundeswehr organisiert außerdem besondere Veranstaltungsformate für Jugendliche – Musikveranstaltungen, Sportlertreffen, SchülerInnenzeitungsseminare –, für die rund eine Million Euro eingeplant sind. Weitere Kosten entstehen durch Kooperationen mit Jugendzeitschriften oder Sportvereinen, den Bundeswehr-Auftritt in neuen sozialen Medien und die Erstellung von Werbefilmen. Zusammengezählt kommt man auf rund zehn Millionen Euro. Neu ist der Schwerpunkt auf Fernsehwerbung. Fast 1,4 Millionen Euro wenden die Militärs nach Ministeriumsangaben für coole und actionreiche TV-Spots auf. Vor zwei Jahren waren es gerade mal wenige Tausend Euro.

Natürlich hat die Bundeswehr auch verstanden, dass sie in Konkurrenz zu anderen ArbeitgeberInnen als solcher attraktiver werden muss. Also hat sie eine sogenanntes „Maßnahmenpaket zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr“, das Teil der Bundeswehrstrukturreform ist, erstellt. Dieses Maßnahmenpaket beinhaltet 82 Reformvorschläge. Anders als früher versucht die Bundeswehr, nicht nur hoch qualifizierte GymnasiastInnen, sondern auch „junge Menschen mit unterdurchschnittlicher schulischer Bildung bzw. ohne Schulabschluss“ und „Inländer mit Migrationshintergrund (ohne deutsche Staatsbürgerschaft)“ für sich gewinnen. Diese sollen durch vielschichtige, flexible, individuell zugeschnittene Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote die notwendigen Fähigkeiten in Eigenregie erlernen, die die Bundeswehr für ihre Kriegseinsätze benötigt. Zudem soll auch die Höchstaltersgrenzen für den Einstieg in die militärische Laufbahn abgeschafft werden. Auch Familie und der „Dienst fürs Vaterland“ sollen endlich miteinander vereinbar sein. Deswegen sollen 1.000 Kinderbetreuungsplätze und Betriebskindergärten bei der Bundeswehr eingerichtet werden.

Follown, Liken, Abbonieren – Die Bundeswehr entdeckt das Internet

Die Bundeswehr will auch bei den neuen Entwicklungen im Bereich Internet mithalten und hat sich jetzt zur Nachwuchsgewinnung Accounts bei Youtube, Facebook, Flickr, Twitter und Co. besorgt. Zudem wirbt sie auf zielgruppengerechten Internetseiten und in für Außenstehende geschlossene Foren.

Bei YouTube hat die Bundeswehr sich gleich einen kostenpflichtigen Premium Channel und zahlreich sogenannte Ad-Words gekauft. Kritische Filme und Berichte über die Bundeswehr sucht man dabei sicher unter den 500 Videos vergebens. Doch nicht nur darum steht der Channel in der Kritik. Er wird nämlich vom Armee-Fernsehen BundeswehrTV (bwTV) mit Material versorgt, dessen politische Ausrichtung vom Verteidigungsministerium maßgeblich bestimmt wird. Dass eine staatliche Behörde einen Radio-oder Fernsehsender betreibt, ist aber offiziell verboten. Darum kann der normale Sender nur in Kasernen empfangen werden. Über den YouTube-Channel werden trotzdem beinah täglich über 17.000 AbonenntInnen mit Propagandafilmen indoktriniert.

Sport ist Mord

Die Bundeswehr gibt jährlich über 600.000€ für Jugendsportförderung aus, allein 240.000 für die sogenannte Schul-Liga, ein bundesweites Fußball-Hallenturnier für SchülerInnen, bei dem in 40 Städten die Mannschaften der Liga gegeneinander antreten. Die besten Mannschaften der Vorrundenturniere qualifizieren sich dann für das Finale. Die Bundeswehr tritt bei dem beliebten Sportevent als Premiumpartner auf und ist als Werbepartner sowohl bei den Turnieren vor Ort als auch in den Medien der Schul-Liga präsent.

Im Schul-Liga-Magazin „Fußball erleben“ wirbt die Bundeswehr zum Beispiel der deutschen Fußball-Nationalspielerin Fatmire Bajramaj, selbst sogenannte Sportsoldatin, für den Dienst an der Waffe. In einem Interview informiert ein Wehrdienstberater  über die Karrierechancen bei der Bundeswehr und das Bewerbungsverfahren. Über die Gefährlichkeit der Einsätze verliert er kein Wort.

Zudem bemüht sich die Bundeswehr mit Videospots, Werbung auf dem Onlineauftritt der Liga und regelmäßigen Ständen bei den Turnieren vor allem um sportinteressierte Jugendliche für den „Arbeitgeber Bundeswehr“. Ein friedlicher Fußballwettbewerb wird so zur Propagandaveranstaltung der Bundeswehr umfunktioniert.

Egal, wie und wo sich die Bundeswehr als Arbeitgeberin mit Zukunft verkauft, egal, wie friedlich und hip sie sich gibt, ihr Ziel bleibt das gleiche: Nachwuchs für die nächsten Kriegseinsätze gewinnen.

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