Hintergrundtext: Neoliberale Ausbildungs- und Bildungspolitik treibt Jugendliche zum Militär

22 Aug

Die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte hat nicht nur ein Heer von jungen Arbeitslosen, sondern auch ein elitäres, selektives Bildungssystem und prekäre Arbeitsverhältnisse geschaffen. Von diesen Entwicklungen profitieren die Konzerne, während ein Großteil der Jugendlichen auf der Strecke bleibt. Die Bundeswehr nutzt diese Situation schamlos aus und bietet den jungen Menschen eine „Karriere mit Zukunft“ – sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze, ein kostenloses Studium und ein breites Ausbildungsangebot –, um sie in Kriegseinsätzen zu verheizen.

In kaum einem anderen modernen Staat hängen die Bildungschancen so stark vom Beruf und Einkommen der Eltern ab wie in Deutschland, unter anderem wegen diverser Kosten wie etwa Studiengebühren, aber auch wegen Zugangsbeschränkungen und Selektionsmechanismen, die viele Jugendliche schon im Vorfeld aussortieren und von weiterer Bildung ausschließen. Höhere Bildung ist aber ist immer mehr eine notwendige Voraussetzung für eine Ausbildung und einen Job. Die Konkurrenz wächst.

Dreiviertel aller Unternehmen in Deutschland bilden gar nicht erst aus. Deshalb sind zehntausende junge Menschen ohne Ausbildung, haben kaum Aussichten auf einen Arbeitsplatz und sind deshalb von Zukunftsangst und Perspektivlosigkeit geplagt. Jugendarbeitslosigkeit und –armut steigen immer weiter an.

Selbst wer ein Job oder eine Ausbildung hat, kann sich oftmals nicht dauerhaft seines Arbeitsplatzes sicher sein oder ist von prekärer Beschäftigung betroffen: Leih- und Zeitarbeit, Niedriglöhne, Dauerpraktika und andere Unsicherheiten sowie verschärfte Formen der Ausbeutungen sind längst keine Seltenheit mehr, sondern stehen für einen großen Teil junger Menschen auf der Tagesordnung. Die Übernahme in einen Betrieb wird zur Ausnahme. Die Bedingungen verschlechtern sich in einem Teufelskreis: Je mehr Leute arbeitslos sind, desto mehr können Unternehmen Druck auf die ArbeiterInnen ausüben, Arbeitsbedingungen verschlechtern, Löhne senken usw. Wer damit nicht klar kommt, kann gehen. Ersatz steht schon bereit.

Die Bundeswehr profitiert von der schlechten Lage und ist für junge Menschen attraktiv, die, wenn sie eine ernsthafte Perspektive hätten, niemals zur Bundeswehr gehen würden. Insbesondere diejenigen, deren Eltern wenig Mittel haben, sind betroffen, da sie deutlich schlechtere Chancen im Bildungssystem haben. Gäbe es ein schönes Leben für alle, wäre niemand gezwungen, zur Bundeswehr zu gehen. Das Geld, was die Regierung für Militär und Krieg ausgibt, sollte lieber in Bildung gesteckt werden. Bildung muss komplett umsonst sein, Selektion und Zugangsbeschränkungen gehören abgeschafft. Außerdem brauchen wir eine Ausbildungsplatzumlage: Wer nicht ausbildet, soll zahlen, damit alle jungen Menschen eine Perspektive haben. Denn Krieg ist keine Zukunftsperspektive.

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