Hintergrundtext: Jugendoffiziere – POL&IS – Wehrdienstberater: von wegen politische Bildung!

22 Aug

Jugendoffiziere, pädagogisch geschulte junge Männer und Frauen mit langjähriger militärischer Erfahrung, sind eines der effektivsten Instrumente für die Werbung und Rekrutierung junger Menschen für die Bundeswehr. Sie dürfen zwar nicht als „Werbeoffiziere“ agieren, sollen aber an Schulen aus Sicht des Bundesministeriums der Verteidigung über die Außenpolitik der Regierung informieren und sie legitimieren. SchülerInnen sollen so dazu gebracht werden, die Kriege der BRD zu unterstützen und sich für die Bundeswehr (als Arbeitgeber) zu interessieren.

Die erste Einheit der Jugendoffiziere wurde 1958 ins Leben gerufen, um die Bevölkerung vom Sinn der 1955 gegründeten Bundeswehr zu überzeugen. Ihre Anzahl, damals waren es 17, ist seither stark angestiegen: heute gibt es bundesweit 94 hauptamtliche und 300 nebenamtliche Jugendoffiziere, die für ihre Rekrutierungseinsätze an der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (früher: Amt für psychologische Kriegsführung) ausgebildet werden. Dort lernen sie auch, wie sie auftreten müssen, damit SchülerInnen sich mit ihnen identifizieren.

Neben den Informationsveranstaltungen nutzen Jugendoffiziere auch das Planspiel „Politik & Internationale Sicherheit“ (Pol&IS). Bei 2- bis 5-tägigen Simulationen schlüpfen SchülerInnen in die Rollen von RegierungsvertreterInnen und sollen Krisen und Konflikte lösen, die sich in der internationalen Politik entwickeln. Das Spiel zielt zwar nicht einfach darauf ab, das Militär oder Kriege vorbehaltlos zu bejubeln. Aber Pol&IS erlaubt es den SchülerInnen nicht, nach Lösungen zu suchen, die jenseits von Militäreinsätzen oder der kapitalistischen Gesellschaft liegen. Das Spiel erweckt den Anschein, Kritik- sowie Konfliktbewusstsein zu fördern – gleichzeitig werden aber im Spielverlauf Korridore abgesteckt, die das Militär als unverzichtbare Notwendigkeit legitimieren helfen.
Jugendoffiziere erreichten 2009 im Bundesgebiet mit 7.245 Veranstaltungen mindestens 160.000 SchülerInnen.

Dazu kommen die Wehrdienstberater, die die von den Jugendoffizieren vorbereitete positive Haltung gegenüber der Militärpolitik nutzen. Sie sind für die direkte Rekrutierung von Jugendlichen da und tun, was Jugendoffiziere offiziell nicht dürfen: Karrieremöglichkeiten beim Arbeitgeber Bundeswehr schmackhaft machen. Sie werben regelmäßig in Büros der ARGEn arbeitslose Jugendliche an. Oft gehen sie aber auch gleich mit Jugendoffizieren in die Schulen.
Im Jahr 2009 haben sie etwa 290.00 SchülerInnen „beraten“ – selbstverständlich ohne das tödliche Risiko zu erwähnen, dem im Krieg auch SoldatInnen ausgesetzt sind.

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