Hintergrundtext: Der Beutelsbacher Konsens: wenig beachtet, trotzdem wichtig

22 Aug

1976 trafen sich VertreterInnen der  Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und zahlreiche PolitikdidaktikerInnen im bayrischen Beutelsbach. Bei dieser Tagung wurden Mindestanforderungen für die politische Bildung in und außerhalb der Schule festgelegt. Man einigte sich auf den sogenannten Beutelsbacher Konsens. Um SchülerInnen zu mündigen Menschen zu machen, sollen die folgenden drei Prinzipien im Unterricht eingehalten werden:

  1. Überwältigungs- oder Indoktrinationsverbot: Lehrende dürfen ihre gegenüber den SchülerInnen privilegierte Position nicht ausnutzen, um ihnen ihre Meinung aufzuerlegen.
  2. Kontroversitätsgebot: Was in der Wissenschaft, der Politik und der Gesellschaft kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden.
  3. SchülerInnenorientierung: Die SchülerInnen müssen in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und die eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne der Interessen zu beeinflussen

Die Besuche der Bundeswehr an Schulen widersprechen jedem dieser Grundsätze. Denn die Jugendoffiziere (siehe Seite 7) überwältigen die SchülerInnen, weil sie den Auftrag haben, nur die Position des Bundesverteidigungsministeriums in der Schule zu vertreten, und weil sie dementsprechend durch ihr Auftreten bewusst ein falsches Bild von der Bundeswehr und ihren Kriege erzeugen. Die Jugendoffiziere sind stets in einem Alter, das für Jugendliche nicht als „erwachsen“ gilt und treten sehr sympathisch auf. Die Militärs nutzen diesen Vorteil zur Manipulation der Jugendlichen.

Die Bundeswehr will sich natürlich von ihrer besten Seite zeigen und redet deswegen nicht über den mörderischen Alltag der SoldatInnen, um möglichst viele SchülerInnen für sich zu gewinnen. Diese Einseitigkeit ist ein Verstoß gegen den zweiten Grundsatz. Etwa 70% der deutschen Bevölkerung sind aus guten Gründen gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr, dennoch wird diese Kontroverse von den Jugendoffizieren bewusst verschwiegen.

Auch der dritte Grundsatz wird von der Bundeswehr und ihren Jugendoffizieren aktiv missachtet.  Die Jugendoffiziere unterschlagen gerne unschöne Fakten  und beeinflussen die SchülerInnen einseitig, so dass sie sich keine eigene Meinung bilden können.

Da die Bundeswehr gegen den Beutelsbacher Konsens systematisch verstößt, wird man dem Beutelsbacher Konsens nur dadurch gerecht, dass die Bundeswehr den Schulen fern bleibt.

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