Teurer »Schnupperkurs«

1 Jul

Bundeswehr beruft mehr Minderjährige ein. Viele der »Freiwilligen« springen jedoch vorzeitig ab. Werbung blendet Kriegsrealität aus

Von Frank Brendle
Die Bundeswehr als Arbeitgeber erweckt unter jungen Erwachsenen so wenig Interesse, daß die Rekrutierung von Minderjährigen ausgeweitet wurde. 1216 Jugendliche heuerten im vergangenen Jahr im Alter von 17 Jahren bei der Truppe an, entweder als Zeitsoldaten oder als »freiwillig Wehrdienstleistende«. Das waren 50 Prozent mehr als 2011. Linken-Verteidigungspolitiker Paul Schäfer, auf dessen Anfrage die Bundeswehr umfangreiches Zahlenmaterial herausgab, nennt es gegenüber jW »erschütternd«, daß so viele Minderjährige an der Waffe ausgebildet werden.

Aus dem Regierungsdokument geht hervor, daß der »freiwillige« Wehrdienst, der den Wegfall der Wehrpflicht als Rekrutierungsinstrument ersetzen soll, keine Erfolgsgeschichte ist. Zwar haben im Jahr 2012 knapp 10000 junge Menschen tatsächlich einen solchen Dienst angetreten, aber ein Viertel stieg während der sechsmonatigen Probezeit wieder aus, weitere 403 wurden von der Bundeswehr entlassen. Das ergibt eine Quote von 28,8 Prozent, die vorzeitig ausscheiden. Das deutet darauf hin, daß dieser Militärdienst für viele nur eine Zwischenlösung ist, auf die gerne verzichtet wird, sobald sich andere Jobperspektiven auftun. Zudem werden etliche Jugendliche, die auf die Verheißungen von »Fun und Action« des militärischen »Jugendmarketings« hereingefallen sind, kalt erwischt, wenn sie in der Grundausbildung gleich behandelt werden wie richtige Soldaten. Zwei von drei Soldaten, die wegen Disziplinarverstößen zu Arreststrafen verdonnert werden, sind »Freiwillige« – obwohl diese weniger als zehn Prozent des Gesamtpersonalbestandes der Bundeswehr ausmachen.

Freiwillig Wehrdienstleistende können sich für Dienstzeiten zwischen sechs und 23 Monaten verpflichten. Besonders beliebt sind Zeiträume von elf bzw. zwölf sowie zwischen 18 und 23 Monaten. Längere Dienstzeiten bedeuten höhere Soldzuschläge, als Maximalvergütung gibt es 1146 Euro. Bemerkenswert ist, daß sich fast alle (rund 98 Prozent) schriftlich für eine besondere Auslandsverwendung verpflichten, obwohl dies erst bei Dienstzeiten über zwölf Monaten obligatorisch ist. Der Grund dürfte darin liegen, daß bei Einsätzen im Ausland steuerfreie Zuschläge bis zu 110 Euro pro Tag winken.

Die soziale Herkunft der Rekruten wird zwar nicht erfaßt, die Angaben zur Schulbildung zeigen aber, daß sie sich mehr oder weniger im gesellschaftlichen Durchschnitt bewegen. Ein Drittel hat Abitur, ein Viertel die Mittlere Reife und ein weiteres Drittel entweder den Hauptschul- oder überhaupt keinen Schulabschluß. Angaben darüber, wie sich die Quote der vorzeitigen Abbrecher zum Bildungsgrad verhält, liegen nicht vor.

Ähnlich wie früher die Wehrpflicht hat auch der freiwillige Dienst die Funktion, Jugendliche schrittweise an die Bundeswehr zu gewöhnen und sie schließlich für eine mehrjährige Verpflichtung zu gewinnen. Tatsächlich entschied sich im vergangenen Jahr fast die Hälfte der Freiwilligen, in ein Dienstverhältnis als Zeitsoldat zu wechseln. Damit tragen sie zu einem Drittel zum von der Bundeswehr genannten jährlichen Ersatzbedarf von 13000 Zeitsoldaten bei. Schäfer nennt den Freiwilligendienst einen »überteuerten Schnupperkurs«, denn die Truppe kalkuliert mit fast 22000 Euro Kosten pro Person und Dienstjahr – nur 4500 Euro weniger als für »richtige« Soldaten.

Um sich diesen personellen Zufluß zu sichern, wurde bei der Abschaffung der Wehrpflicht eigens das Meldegesetz geändert. Die Meldebehörden übermitteln einmal jährlich die Daten all jener Jugendlichen mit deutscher Staatsbürgerschaft an die Bundeswehr, die im darauffolgenden Jahr ins einberufungsfähige Alter kommen. Das waren voriges Jahr 720000 Minderjährige, und sie alle erhielten Reklame von der Bundeswehr: »Profitieren Sie von den attraktiven Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie den guten Sozialleistungen eines zukunftsorientierten und modernen Arbeitgebers«, heißt es in den bunten Anschreiben. Wie viele der Umworbenen Interesse an weiteren Informationen bekundet haben, wird allerdings nicht erhoben. »Wie menschenverachtend die Bundeswehr ist, zeigt sich schon an dieser Reklame«, empört sich der Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK), Monty Schädel: »Kein Wort über die blutige Kriegsrealität. Abgesehen davon können die Opfer der deutschen Waffen von jeglichen Sozialleistungen nur träumen.«

Bundeswehrtermine Juli-September 2013

23 Jun

Aus einer aktuellen Anfrage der Bundestagsfraktion der LINKEN gehen die Propaganda- und Rekrutierungstermine der Bundeswehr an Schulen, befacebook_header_underlinei Messen, öffentlichen Anlässen, Seminaren, Berufsinformationszentren usw. für die Monate Juli, August und September (2013) hervor. Alle Termine kann man hier finden. Um herauszufinden, ob die Bundeswehr auch in eure Stadt kommt, öffnet das PDF-Dokument, drückt gleichzeitig “Strg” und “F” und gebt den Namen eurer Stadt ein. Dann wisst ihr Bescheid, wann ihr mit unserem Material wie z.B. unserer “Bundeswehr-raus-aus-den-Schulen”-CD und der Kampagnenzeitung auf die Straße, vor die Schulen, zu den Messen usw.gehen müsst, um der Bundeswehr die Werbetour zu vermasseln!

Flashmob gegen die Bundeswehr bei Berufsmesse in Bremen

25 Feb

Bundeswehr raus aus Schulen und Berufsmessen!

Am Freitag, deIMG_5098n 08.02.2013 ha hat die Linksjugend [‘solid] Bremen, unterstützt von der offenen linken Jugendgruppe  à gauche und der FAU (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union) mit ca. 30 Aktivist_innen erneut eine Werbeaktion der Bundeswehr auf der stattfindenden Berufsmesse im Weserpark Bremen gestört. 
Mit kreativem, lautem und bunten Protest haben wir von 15:30-17:00 ein deutliches Zeichen gegen die Kriegspropaganda der Bundeswehr und ihren Versuch gesetzt, sich als ‚normalen’ Ausbildungsplatz und attraktiven Arbeitgeber zu inszenieren.

Zur Aktion
Mit einem „Die-in“-Flashmob vor dem Stand der Bundeswehr haben wir unter dem Motto
„Die Bundeswehr geht über Leichen… Du auch?“ dem falschen Schein der Nachwuchsrekrutierung erneut eine Inszenierung entgegensetzt, die der grausamen Realität des Krieges und Tötens gerechter wird:
Aktivist_innen stellten mit lauten Schreien und blutbefleckten T-Shirts das Sterben von Zivilist_innen dar. Alltag für Soldat_innen im Kriegseinsatz, der bei Berufsmessen gerne verschwiegen wird. Neben den ‘Leichen’ am Bundeswehrstand hatten wir unser Banner mit der Forderung „Kein Werben fürs Sterben“ vor dem Bundeswehrstand ausgelegt. Während überraschte Besucher_innen des Weserparks interessiert die Leichen musterten und das Banner bestaunten, verteilten wir Informationsmaterial über Militarisierung, Kriegseinsätze und die Werbestrategien der Bundeswehr an Schulen und Berufsmessen.img_5125

Klar dass die Betroffenen von der Bundeswehr sich diese Aktion nicht gefallen ließen und nach etwa 30 Minuten die Polizei riefen. Diese traf mit zwei Mannschaftswagen ein, verließ jedoch nach 2 Minuten wieder den Protestort. “Hier passiert nichts! die machen nichts! Abrücken!”, rief der Einsatzleiter verärgert über den offensichtlich überflüssigen Einsatz.

Warum das Alles?!
Wir werden nicht akzeptieren, dass die Bundeswehr mit ihrer verharmlosenden Werbestrategie gerade uns Jugendliche anlocken will. Ob an Schulen, Berufsmessen oder in Jugendzeitschriften – auf das Gerede von “gut bezahlten Arbeitsplätzen”, „Karrierechancen“ oder der „Verteidigung von Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit“ fallen wir nicht rein. Wir werden immer wieder deutlich machen deutlich machen, dass es sich bei der Bundeswehr nicht um einen ‘normalen’ Arbeitgeber handelt!
Das Töten von Zivilimg_5121isten ist keine Ausnahme – der brutale Krieg um wirtschaftliche Interessen ist längst zur Normalität in der ständigen Rohstoffkonkurrenz geworden. Und dass es hier nicht um die Sicherung des Friedens, sondern ganz im Gegenteil um die kriegerische
„Aufrechterhaltung des freien Welthandels und den ungehinderten Zugang zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt“ geht, ist sogar den Verteidigungspolitischen Richtlinien für die Bundeswehr selbst zu entnehmen.

Gegen die Militarisierung der Gesellschaft!
Gegen Bundeswehr und Kriegsindustrie – überall!
Gegen das Töten und Sterben für Staat, Nation und Wirtschaftsinteressen! Für das schöne Leben!

Linksjugend RLP verleiht Goldene Colt

23 Okt

Die Linksjugend ['solid] Rheinland-Pfalz hat dem Göttenbach-Gymnasium in Idar-Oberstein die Goldene Colt übergeben. Hier finden sich die Pressemitteilung und der Brief an die Schule, gerne auch zum Weiterverwenden und Nachmachen ;)

Pressemitteilung

Mit einem Brief und einer Goldenen Colt sorgte die Linksjugend ['solid] Rheinland-Pfalz für Aufmerksamkeit am Göttenbach-Gymnasium in Idar-Oberstein: Mit der “Trophäe” zeichnet sie die Schule für ihre “vorbildliche” Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und deren Jugendoffizieren in Rheinland-Pfalz aus. Das Göttenbach-Gymnasium ist die rheinland-pfälzische Schule mit den meisten Militär-Besuchen und einer auch darüber hinaus regen Kooperation mit der Bundeswehr.

Hierzu erklärt Julia Range von der Linksjugend ['solid] Rheinland-Pfalz: „Die Bundeswehr nutzt verstärkt die Möglichkeit, an Schulen für ihr Image und eine „Karriere“ zu werben. Sie führt ganze Unterrichtsstunden bis Projektwochen und Ausflüge mit den jungen Menschen durch, um ihre Ziele zu erreichen und SchülerInnen für eine Karriere bei der Bundeswehr zu begeistern. Mit der Goldenen Colt wollen wir der Schulleitung zeigen, dass wir die Methoden der Bundeswehr für äußerst kritisch halten und die Schule dazu auffordern, der Bundeswehr ein Hausverbot auszusprechen. Denn das ist durchaus möglich, wie einige erste Schulen zeigen, die sich zur “bundeswehrfreien Zone” erklärt haben.“

Die Linksjugend Rheinland-Pfalz lehnt die Werbung durch Jugendoffiziere an Bildungseinrichtungen entschieden ab: „Die Bundeswehr hat nichts an Schulen zu suchen. Sie betreibt weder objektive politische Bildung, noch bietet sie „sichere“ Jobs an. Sie nutzt die miserablen Zukunftsaussichten der jungen Generation aus. Damit muss Schluss sein. Unsere Schulen sind dafür da, jungen Menschen Wissen, kritisches Denken, Fertigkeiten und Kompetenzen zu vermitteln, sie sind nicht der Exerzierplatz und das Werbebanner der Bundeswehr, um ihre militärische Doktrin zu vermitteln. Wir brauchen echte Perspektiven, statt der bloßen Aussicht, beim Militär verheizt zu werden“, so Range weiter.

Deshalb engagiert sich der Jugendverband seit 2011 mit kreativen Aktionen bundesweit für die Rücknahme der Kooperationsvereinbarungen zwischen Landesministerien und Bundeswehr und setzt sich für ein generelles Werbeverbot der Bundeswehr an Bildungseinrichtungen und -messen ein. Die Linksjugend steht zudem für die Einführung der Ausbildungsplatzumlage sowie für die Abschaffung aller Bildungsgebühren.

Zum “Glückwunschschreiben” hier lang:

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Scheinerfolg in NRW: Redehoheit der Bundeswehr gebrochen

12 Okt

In Nordrhein-Westfalen gibt es nicht zuletzt aufgrund des breiten und langanhaltenden Protests nun einen Teilerfolg auf dem Weg zu militärfreier Bildung: Jugendoffiziere der Bundeswehr dürfen dort nicht mehr einseitig und unwidersprochen über Krieg und Frieden sprechen, sondern nur noch, wenn auch ein*e Vertreter*in der Friedensbewegung eingeladen wird.

Mit Blick auf den Beutelsbacher Konsens, der vorschreibt, dass gesellschaftlich kontrovers debattierte Themen auch aus verschiedenen Perspektiven im Unterricht vermittelt werden müssen, ist die Entwicklung in NRW ein solider Erfolg. Dennoch muss klar sein: Die Friedensbewegung hat deutlich weniger Möglichkeiten, politische Bildung zu machen. Insofern ist die vermeintliche Gleichberechtigung beider Akteure, die die Änderung in NRW herbeiführen möchte, nur scheinbar gegeben. Darüber hinaus werden die Klassenbesuche der Bundeswehr dadurch noch weiter legitimiert.

Deshalb ist für uns klar: Der Protest gegen Bundeswehrwerbung muss weitergehen! Wir wollen, dass die Kooperationsvereinbarungen zwischen Landesregierungen und Bundeswehr komplett zurückgenommen werden und die Bundeswehr ein Werbeverbot erteilt bekommt.

Mehr zum Thema: http://www.welt.de/politik/deutschland/article109772053/Bundeswehr-verliert-Redehoheit-in-Schulklassen.html

Aktionen in Bamberg

1 Okt

Die Linksjugend-Ortsgruppe in Bamberg war in der Aktionswoche für militärfreie Bildung und Forschung besonders aktiv.

Hier gibts die Berichte:

http://linksjugendsolidbamberg.blogsport.de/2012/09/30/infostand-bundeswehr-raus-aus-den-schulen-am-maxplatz/

http://linksjugendsolidbamberg.blogsport.de/2012/09/29/antimilitaristisches-adventure-camp-am-maxplatz/#more-40

Und hier ein paar Fotos von den Aktionen:

Antimilitaristische Aktion in Bremen

28 Sep

Am 27.09. hat die Bremer Linksjugend-Gruppe zusammen mit der offenen linken Jugendgruppe à gauche im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche für militärfreie Bildung und Forschung eine Aktion gestartet. Hier ihre Pressemitteilung und Fotos der Aktion:

BUNDESWEHR VERTREIBEN!

Heute haben wir, ein antimilitaristisches Aktionsbündnis der offenen linken Jugendgruppe à gauche und der linksjugend [‘solid], die Werbeaktion der Bundeswehr auf der gerade stattfindenden Berufsmesse gestört.

Mit kreativem, lautem und bunten Protest haben wir ein deutliches Zeichen gegen die Kriegspropaganda der Bundeswehr und ihren Versuch gesetzt, sich als ‚normalen‘ Ausbildungsplatz und attraktiven Arbeitgeber zu inszenieren.

Zur Aktion

Mit einem „Die-in“-Flashmob vor dem Stand der Bundeswehr haben wir unter dem Motto

„Die Bundeswehr geht über Leichen… Du auch?“ dem falschen Schein der Kriegspropagandisten eine Inszenierung entgegensetzt, die der grausamen Realität des mordenden Soldatentums gerechter wird:

Aktivist_innen stellten mit lauten Schreien und blutbefleckten T-Shirts das Sterben von Zivilist_innen dar. Alltag für Soldat_innen im Kriegseinsatz, der bei Berufsmessen gerne verschwiegen wird. Neben den Leichen am Bundeswehrstand ließen wir unser Banner mit der Forderung „Kein Werben fürs Sterben“ mit  Hilfe von Heliumballons unter die Decke steigen. Während überraschte Besucher_innen des Roland Centers interessiert die Leichen musterten und das Banner bestaunten, verteilten wir Informationsmaterial über Militarisierung, Kriegseinsätze und die Werbestrategien der Bundeswehr an Bildungsstätten.

Klar, dass auch die tapferen Mörder fürs Vaterland nicht gerne mit diesen Wirklichkeiten konfrontiert werden und die Polizei riefen, um dieses Szenario schnellstmöglich aufzulösen. Da die Polizei doch erst sehr verspätet anrückte, blieben die Leichen 45 Minuten vor dem Bundeswehrstand liegen und störten so enorm die Werbestrategie der Bundeswehr. Wir konnten diese Zeit nutzen, um mit Besucher_innen der Berufsmesse ins Gespräch zu kommen und über den tödlichen Arbeitgeber Bundeswehr aufzuklären.

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